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Die Bemühungen des Hoteliers sind also entscheidend. Kann es auch passie- ren, dass man nicht in der Lage ist, das hervorragende Design ideal hervorzu- heben?Festlegung der Zielgruppe gleich zu Beginn ist essentiell für ein überzeu- gendes Storytelling. Nichtsdestotrotz hat es in Südtirol in den vergangenen Jahren eine Kehrtwende gegeben. Dies ist jungen Hoteliers zu verdanken, die einen neuen Ansatz verfolgen. Viele sind ihrem Beispiel gefolgt, immerhin führt eine gut definierte Zielgruppe zu mehr Profit.wie sich nachhaltig gebaute Häuser entwickeln bzw. wie sie in zwanzig Jahren aussehen werden. Sind sie dann noch gut erhalten? Werden sie aufgrund nachlässiger Reinigung und fehlender Belüftung Schimmelproble- me haben? Fest steht: An sich verfol- gen Klimahotels ohne Zweifel einen interessanten Ansatz.Wie gelingt es, Nachhaltigkeit und gu- tes Design zu vereinen, sprich wie ma- chen Sie sich die Natur zum Freund? Derzeit arbeiten wir an einem Projekt in einem 52 km2 Naturpark auf der Sei- ser Alm, wo die Regierung schon seit dem Jahr 2000 vergeblich versucht, den Verkehr von Autos einzuschrän- ken. In den vergangenen zwanzig Jah- ren ist die Anzahl der Hotels gestiegen, so auch der Verkehr. Wir haben ein kleines Klimahotel geplant, das nur mit einem Hotel-Shuttle erreichbar ist. Es wird aus verschiedenen Chalets ohne WLAN und TV bestehen. Nachts wird auf künstliche Beleuchtung voll- kommen verzichtet. Stattdessen be- kommen Gäste USB-Taschenlampen zur Verfügung gestellt. Ich bin der Meinung, dass ein derartiger Ansatz ein klares Beispiel für nachhaltige Ar- chitektur sein kann.Genau das ist das Problem, das wir angehen müssen. Ich bin der Überzeu- gung, dass sich unser Studio in eine andere Richtung bewegt: Die Gäste von heute sind anspruchsvoller und suchen vor allem authentische Erleb- nisse. Wenn der Hotelier in der Lage ist, diese zu vermitteln, dann sind die Gäste auch gewillt, das premium pri- cing zu akzeptieren. Andernfalls wird das Haus austauschbar.Gibt es in der Hotelarchitektur derzeit neue Trends? Wenn ja: Ist es Ihrer Mei- nung nach notwendig, diese auch um- zusetzen?Was ist beim Bau eines Hotels aus ar- chitektonischer und touristischer Sicht zu berücksichtigen?Das Hauptproblem ist die Zielgruppe. In Vergangenheit hatten wir die Gele- genheit, mit großen Ketten zu arbei- ten. Dabei wurde der Wunschkunde bereits beim ersten Briefing definiert. Zurück in Südtirol ist uns aufgefallen, dass zahlreiche Hoteliers der Ziel- gruppe nicht genügend Bedeutung zukommen lassen, obwohl es sich um eine fundamentale Entscheidung han- delt. Ein kleines Beispiel: Es ist nicht möglich, ein Familienhotel mit dersel- ben Zimmeraufteilung wie bei einer Unterkunft für Pärchen zu planen. DieFamilyhotel Ulrichshof, Rimbach (deutschland/germania)Meiner Meinung nach nicht. Da es sich um Hotels handelt, ist es notwendig, alle 15 Jahre die Zimmer zu reno- vieren. Insofern ist es nicht möglich, ständig Trends zu berücksichtigen. Es ist aber essentiell, die Philosophie des Hoteliers umzusetzen, immerhin ist sie es, die das Hotel einzigartig macht.Dennoch gibt es einen Trend, der maß- geblich beeinflusst: die Nachhaltigkeit. Wie schwer bzw. leicht ist es, ein um- weltfreundliches Hotel zu planen?Das Konzept der Nachhaltigkeit ist sehr in Mode und es gibt immer mehr Hotels, die sich selbst als green hotel bezeichnen. Ich persönlich finde die Idee spannend, aber es liegt noch ein langer Weg vor uns. Wir wissen nicht,UPGRADE 45


































































































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